Die Sinnlosigkeit der Reisewarnung für Teneriffa

Reisewarnung Kanaren

Update vom 22.10.20:
Die kanarischen Inseln sind kein Risikogebiet mehr! Die Reisewarnung für die Kanaren wurde am 22.10.20 aufgehoben, nachdem die 7 Tage Inzidenz von 50 bereits seit dem 03.10. nicht mehr erreicht wurde und eine klar fallende Tendenz hat.

Sie können daher ab sofort wieder auf die kanarischen Inseln reisen, ohne daß Sie in Quarantäne müssen, oder Ihren Arbeitgeber informieren müssen.

Ist die Reisewarnung für Teneriffa sinnvoll gewesen?

Die deutsche Bundesregierung hat auf Empfehlung des RKI eine Reisewarnung für die gesamten kanarischen Inseln erlassen, obwohl Teneriffa deutlich unter der zulässigen Höchstgrenze für die 7 Tage Inzidenz liegt. Der Grund liegt darin, daß Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern, wie beispielsweise Belgien, keine regionalen Unterscheidungen bei den Kanaren macht, obwohl man genau das im eigenen Land propagiert und auch so umsetzt. England hingegen hat kürzlich bereits erklärt, auch auf den Kanaren regional zu unterscheiden.

Für Teneriffa ergibt sich am 09.09.20, dem Tag an dem dieser Artikel entstand folgende 7 Tage Inzidenz: 33,8 - Tendenz fallend. (Quelle zur Berechnung: cvcanarias.com/ und deren Facebookseite, auf der die Zahlen täglich veröffentlich werden) Zum Zeitpunkt der Reisewarnung war dieser Wert noch niedriger, stieg danach an und fällt aktuell wieder. Die Reisewarnung wurde ausgesprochen, da es auf der Nachbarinsel Gran Canaria in der dortigen Hauptstadt Las Palmas einen größeren Ausbruch im Nachtleben gab, welcher aber zwischenzeitlich unter Kontrolle zu sein scheint. Warum die kanarische Regierung sich nach dem Lockdown entschieden hatte, Clubs und Diskotheken wieder zu öffnen, ist unverständlich, aber wenigstens hat man dazu gelernt und diese Einrichtungen sofort wieder alle geschlossen. Die Zahlen aus Las Palmas waren aber leider so hoch, daß es rein rechnerisch für die Reisewarnung gereicht hat, auch wenn das mit Teneriffa überhaupt nichts zu tun hatte und die 7 Tage Inzidenz überhaupt nicht vergleichbar ist.

Warum die 7 Tage Inzidenz Grenze von Deutschland mit den Kanaren gar nicht vergleichbar ist

Man hat sich in Deutschland dazu entschieden, die Grenze von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern pro Woche im eigenen Land für die Entscheidung regionaler Lockdowns anzusetzen und diese gleichzeitig als Grundlage für Reisewarnungen zu nehmen. Das würde aber voraussetzen, daß alle Länder in der gleichen Art und Weise testen, wie in Deutschland vorgegangen wird. Daß das in der Praxis dann zu falschen Reisewarnungen führt, zeigen die Meldungen der Presse, wenn man mal einen Moment darüber nachdenkt. Es wurde klar kommuniziert, daß der Anstieg der Fallzahlen in Deutschland hauptsächlich auf Reiserückkehrer zurück zu führen ist. Gleichzeitig erwähnte man die Länder, welche die Hauptursache für positive Reiserückkehrer waren, da wurde Spanien aber nicht mal genannt. Daher habe ich mal recherchiert, ob es hierzu Zahlen gibt. Wie der Deutschlandfunk schreibt, ist der Anteil der Spanien Urlauber an den positiv getesteten Reiserückkehrern auch nur bei 2,5%, obwohl Spanien eigentlich das Haupturlaubsland der Deutschen ist. (Quelle: Deutschlandfunk)

In der 7 Tage Inzidenz werden nicht die erkrankten Personen gezählt, sondern die Anzahl der positiven PCR Testergebnisse.

In Deutschland wird man getestet, wenn man selbst Symptome hat, mit einer erkrankten Person im Haushalt lebt, oder in der Corona App auftaucht. (Quelle: RKI)

Auf den Kanaren werden jedoch alle Personen getestet, die innerhalb einer Infektionskette liegen und zwar unabhängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht.

Klar dürfte bei diesem Unterschied sein, daß es auf den Kanaren dann innerhalb dieser Infektionsketten naturgemäß immer mehr positive Corona Tests geben muß, als das in Deutschland der Fall ist. In Deutschland werden diese Fälle gar nicht erfasst.

Als Beispiel empfehle ich hier einmal einen Artikel aus der Mallorcazeitung, aus dem hervorgeht, daß auf Mallorca bei den täglichen Testungen zwischen 70% und 90% der getesteten Personen asymptomatisch sind, also gar nicht krank sind. (Quelle: Mallorcamagazin) Die meisten dieser Fälle wären durch die Testverfahren in Deutschland gar nicht in die Statistik der positiven PCR Tests gefallen, weil die meisten hiervon gar nicht getestet worden wären.

Diese nicht vergleichbaren Vorgehensweisen spiegeln sich auch in den Zahlen wieder, wenn man einfach mal vergleicht, wie viele Personen auf der Intensivstation liegen:

In Deutschland beträgt die Quote der Menschen, die intensivmedizinisch betreut werden müssen 1,38%, auf den Kanaren hingegen nur 0,78%.

(Quellen für diese Berechnung: Statista- Bild- cvcanarias.com)

Ich gehe nicht davon aus, daß die Canarios grundsätzlich das bessere Immunsystem haben, sondern vielmehr ist das vermutlich darauf zurück zu führen, daß auf den Kanaren viel mehr asymptomatische Personen als Positiv in die Statistik einfließen, als das in Deutschland der Fall ist.

Daher ist es nicht möglich, die 7 Tage Inzidenz mit Deutschland zu vergleichen, denn sie wäre, wenn sie mit gleichen Methoden wie in Deutschland ermittelt werden würde, vermutlich auf den Kanaren deutlich niedriger, aufgrund der Zahlen vermutlich sogar rund um die Hälfte. Durch die aktuelle Reisewarnung ist es aber möglich, daß man auf den Kanaren das Testverfahren jetzt dem deutschen Vorgehen anpasst. (Quelle: cvcanarias.com)

Dort ist auffällig, daß die Anzahl der Tests in den letzten beiden Tagen deutlich zurück ging. Auch das stützt noch einmal alles, was ich hier zusammen gefasst habe. Es ist zwar eine blanke Vermutung von mir, die ich weder belegen kann, noch eine Quelle hierzu nennen kann, aber es würde mich nicht wundern, wenn man jetzt auch aufhört, die asymptomatischen Personen innerhalb einer Infektionskette zu testen, sondern einfach ohne Test in Quarantäne schickt. Im Grunde zwingt man die Kanaren dazu, der Statistik jetzt eine andere Rechengrundlage zu geben.

Um Winston Churchill zu zitieren:
Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.

Stefan Flach
09.09.2020

Veröffentlicht am 09.09.2020