Chinamada

Ist das noch das Haus oder schon der Berg? Ist es überhaupt ein Haus? Diese Frage stellen sich viele Besucher, wenn sie dieses Höhlendorf besichtigen. Nur die weiß leuchtenden Fassaden, die bunten Türen und die wunderbar anmutenden Geranien lassen erahnen, dass hier Menschen wohnen. Und das tun sie seit sehr langer Zeit. Seit der Zeit, in der man  noch mühselig mit der Hand die Felsen ausschlagen musste. Sie sind Eins mit dem Berg. Eins mit ihrem Berg, - tief im Anaga-Gebirge.

Schon die Anfahrt war und ist ein Erlebnis. Früher waren die Esel die alleinigen  Transportmittel auf den sandigen Pfaden. Selbst die Ernte wurde auf Ihnen in den Ort Las Carboneras – für die Menschen von Chinamada das „Tor zur Welt“ - gebracht. Denn erst Anfang 1990 ließ sich die Regierung von Teneriffa erweichen und nahm den Bau einer asphaltierten Straße in Richtung Chinamada in Angriff. Mit dem Bau der Straße bekamen die Bewohner des Ortes auch Elektrizität. Es wurden überall an den Felsen Solarmodule installiert, die später an das öffentliche Stromnetz angeschlossen wurden. Und so bekamen die Anwohner nicht nur eine Straße und Strom, sondern auch Telefon.

Wer sich nicht zu Fuß aufmachen will um das Höhlendorf zu erkunden, sollte dies unbedingt mit einem Mietwagen tun. Von La Laguna aus fährt man durch den traumhaften Mercedeswald. Kurz vor Taborna, der mit 1024 Metern höchsten Erhebung des Anaga-Gebirges geht es links weg Richtung Las Carboneras, von wo aus man nach Chinamada gelangt. Traditionell kann man in Las Carboneras sein Auto stehen lassen und unternimmt die letzten 2 km hinunter in das Höhlendorf per Pedes. Von der Straße aus hat man einen traumhaften Ausblick über die rotbraune Erde bis hinüber zum Roque de Taborno. Dieser schließt mit seiner Höhe von 707 Metern den Bergrücken von Taborno zum Meer hinab. Bald tauchen auf der linken Seite der Straße bereits die ersten Höhlenhäuser auf, die jedoch leider schon verlassen sind.
Im Ort angekommen sollte man als erstes einen Abstecher zu dem grandiosen und wirklich spektakulären Aussichtspunkt „Mirador Aguaide“ unternehmen. Er befindet sich ca. 10 Minuten vom Ort entfernt und auf dem Weg dorthin kann man die einmalige Landschaft mit ihrer bizarren Natur in vollem Umfang bestaunen und genießen.

Fast menschenleer ist er geworden, dieser fast unwirklich erscheinende Ort. Viele der Anwohner hat es in andere Dörfer oder auch in die Städte verschlagen. Sie haben die Vorzüge anderer Orte und deren moderne Lebensweise der Einöde ihres Dorfes vorgezogen. Wer kann es ihnen verdenken. Und doch sind die meisten von ihnen weiterhin tief verwurzelt und verbunden mit ihrem Höhlendorf. Vor allem an den Wochenenden, an Feiertagen, zur Erholung oder zum Renovieren der Höhlen kehren sie zurück. Manchmal auch nur, um den Eltern oder Verwandten Lebensmittel oder andere wichtige Dinge vorbeizubringen.
In diesem Ort, an dem die Zeit fast komplett stehen geblieben und an dem die Moderne und die Modernisierung der heutigen Zeit vorbei gegangen ist wohnen Menschen, die dafür mehr als dankbar sind. Sie sind heute wie früher eine Einheit mit dem Berg. Dem Berg der sie für sie immer eins bedeutet hat – Leben. Er war und ist ein Schutz vor Stürmen, Regen, Unwettern und den Launen der Natur.

Und jeder Urlauber, der dieses Dorf besucht und sich fragt, wie ein Leben in dieser Abgeschiedenheit überhaupt möglich war kann es hier erfahren. Wer sich für dieses Fleckchen Erde interessiert findet hier die Antworten. Und dabei kann er den Blick und die grandiose Aussicht über eine Bergwelt genießen, die mit Worten nicht zu beschreiben ist und die erst an der Küste von Punta de Hidalgo endet.
Ein Bergweg führt hinunter an die Küste, so dass man diese in einer 90 minütigen Wanderung erreichen kann.

Wer einfach nur in diesem kleinen und teilweise unwirklich anmutendem Ort verweilen möchte, kann in das kleine, doch sehr interessante Restaurant „La Cueva“ einkehren. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um ein Höhlenrestaurant, welches in den Berg gehauen wurde. Montag und Dienstag hat das Restaurant geschlossen. An allen anderen Tagen werden hier einfache, aber sehr schmackhafte kanarische Speisen serviert. Das einladende, einmalige und wunderbare Ambiente gibt es – selbstverständlich gratis – dazu.

Chinamada – ein Höhlendorf an dem Zeit und Stunde vorbei gegangen sind. Eine lohnende und mit Sicherheit sehr interessante Zeitreise in die Vergangenheit, die hier auch noch die Gegenwart ist.

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