Mesa del Mar

Wenn es einen Ort auf der Insel gibt, den man wohl als „nicht wirklich gelungen“ bezeichnen kann, dann ist es wohl Mesa del Mar. Denn das Kennzeichen dieses, zur Gemeinde Tacoronte gehörenden Ortes, sind die markanten Hochhausbauten entlang der Küste. Appartement- und Hotelanlagen, die in der Zeit des Baubooms und in Folge der immer größer werdenden Anzahl von Touristen entstanden sind. Richtig was los ist hier eigentlich nur in den Monaten Juli und August. Ansonsten ist der kleine Ort fast menschenleer und sogar irgendwie einsam. Wenn sich außerhalb der Saison doch mal ein Besucher in den Ort „verirrt“, dann am ehesten, um sich die dann herrschende Ruhe am Strand oder auf der Terrasse vor dem Meerwasserschwimmbecken zu gönnen. Ferienhäuser und Ferienwohnungen in Mesa del Mar sind etwas für Menschen, die totale Ruhe suchen.

Von der Terrasse aus kann man stundenlang dem Schauspiel des Atlantiks zusehen. Unermüdlich  rollen die Wellen des tobenden Ozeans an und brechen sich vor der Küste.

Die Geschichte des Ortes und der Gemeinde Tacoronte geht auf das Jahr 1497 zurück. Zu dieser Zeit wurde er von Sebastian Machado aus Guimaraes  gründet. Eins siedelten sich die ersten Bewohner in den Berghöhlen nahe der Küste von Tacoronte an. Die Nähe zum Meer und der fruchtbare Boden begünstigten die Besiedlung und sorgten für ausreichend Wasser und Nahrung für die Siedler und deren Viehherden.

Dabei war Mesa le Mar – was übrigens zu viel heißt wie „Meerestisch“ - neben den Orten El Pris, Juan Fernandez und Guayonje eine der ersten Orte die zur damaligen Zeit an der Steilküste besiedelt wurden.

Später entwickelte sich der Ort zu einem kleinen Fischerdorf. Von hier aus fuhren und fahren die Fischer hinaus aufs Meer um mit reicher Ausbeute an Fischen und Meeresfrüchten zurück zu kehren.
Heute gibt es einen Kran, der die Boote zu Wasser lässt. Allerdings ist die Anzahl der Fischer mit Beginn des Baubooms stark zurück gegangen. Es gibt nur noch wenige Angler, die von hier aus starten. Die meisten sind nach El Pris ausgewichen und starten Ihre Fisch- und Angeltouren nun von dort aus.

Das heißt aber nicht, dass der Hafen von Mesa del Mar nicht genutzt wird. Immer mehr Wassersportbegeisterte haben ihn für sich entdeckt und starten von hier aus mit ihren Booten oder Jetskis zu einer atemberaubenden und wundervollen Spritztour über die Wellen des Atlantiks.

Weithin sichtbar ist das blaue Hochhaus in Mesa del Mar. Es ist eins der ersten Hotels, das mit dem Beginn des Massentourismus auf Teneriffa gebaut wurde. Innerhalb kürzester Zeit entstanden weitere Häuser, Hotelanlagen, Apartments und  jede Menge Gastronomie. Zudem wurde im Zentrum des Ortes ein Meerwasserschwimmbecken angelegt und eine Sonnenterrasse errichtet.
Das Meerwasserschwimmbecken ist zwischen natürlichen Felsen entstanden. Beim Bau wurde darauf geachtet, dass mit den Gezeiten ein rhythmischer Wasseraustausch stattfindet. Besonders erfreulich dabei ist, dass man hier auch noch ein erfrischendes Bad nehmen kann, wenn der Atlantik seine rauen Wellen vor der Insel auftürmt.

Vor nicht allzu langer Zeit wurde die komplette Anlage saniert. In Zuge der Sanierung wurden unter anderem Liegeflächen aus Holz angelegt, die nun ausreichend Platz zum Sonnenbaden bieten. Direkt neben der Anlage befindet sich ein großer Parkplatz, so dass man hier ohne Probleme mit dem Auto anreisen kann.

Wunderbar ist auch der wild-romantische Pfad, der vom Parkplatz aus entlang der Küste bis nach El Pris führt. Der Spaziergang dauert ungefähr eine halbe Stunde und bietet einen beeindruckenden und atemberaubenden Ausblick.

Heute ist der einst kleine Ort fast zu 100 % auf den Tourismus angelegt. Vorherrschend leben die Menschen hier von Gastronomie und Vermietung. Die Haupteinnahmezeit sind die Sommermonate Juli und August. Viele sind darauf angewiesen, in diesen beiden Monaten den Hauptteil des Jahresumsatzes zu erzielen. Wenn die Ferien zu Ende sind, und die Urlauber in ihre Heimat zurück kehren schließen viele Bars und öffnen erst mit Beginn der neuen Saison wieder ihre Tore. Auch die Apartment-Anlagen und die Hotels werden in der Nebensaison nur selten besucht. Und so kann man sagen, dass der Ort fast 10 Monate im Jahr in eine Art „Schlaf“ verfällt.

Es gibt nur wenige Bewohner in Mesa del Mar. Diese leben wie eh und je am Steilhang. Man kennt sich und man trifft sich zum Angeln oder man sitzt vor seinem Haus um dort ein „Schwätzchen“ zu ergattern.

Die Hochhausklötze konnten den Traditionen und dem religiösen Brauchtum des Ortes nichts anhaben. Die kleine, weiße Kapelle, die „Iglesia del Carmen“ wird regelmäßig für die Andachten und die Gottesdienste geöffnet. Auch ein großes Pfarrfest wir einmal jährlich zu Ehren der Schutzpatronin des Ortes gefeiert.

Die Lage des Ortes – am Fuße einer hohen Steilküste – sorgt für eine üppige Vegetation. Hier gedeihen die typischen kanarischen Gewächse wie z.Bsp. Sukkulentenbüsche, Wolfsmilchpflanzen oder auch die Affenpalmen (oleanderblättrige Kleinien). Auch jede Menge Tiere sind hier beheimatet. So finden sich hier verschiedene Eidechsenarten, Möwen, Amseln, verschiedene Wandervögel oder auch die Samtkopf-Grasmücke – ein kleiner trillernder Vogel.

Eins mit dem Meer, so könnte man sicher den bezaubernden Strand des Ortes bezeichnen. Ein kleiner Fußgängertunnel bringt die Sonnenanbeter vom Ort an den wunderschönen Strand aus Vulkansand. Steil ragen den hohen Felsen, die den Strand umgeben in den Himmel hinauf. Stahlnetze schützen die Besucher vor unerwartetem Steinschlag. Neben sehr gepflegten sanitären Anlagen besticht die wundervolle Badebucht auch mit einer Rotkreuzstation, einem kleinen Spielplatz und einer Strandbar. Der Strand erhielt sogar die blaue Fahne – eine Auszeichnung der EU für beste und optimale Badequalität. Ja, das Flair das einen hier umgibt ist schon ganz besonders und nicht alltäglich. Außerhalb der sommerlichen Ferienzeiten findet man hier Ruhe und Abgeschiedenheit inmitten bizarrer Felsformationen.

Aber der kleine Ort hat noch mehr zu bieten. Etwas, dass auf der Insel mehr als selten ist – einen Campingplatz. Folgt man der malerischen Promenade von Mesa del Mar, die sich vom Strand aus an der wundervollen Küste entlang schlängelt, stößt man unwillkürlich auf  den Campingplatz „Playa de la Arena“. Da es nur Vormittags erlaubt ist, hier mit dem Auto vorzufahren, empfiehlt sich dringend die Anreise in den frühen Morgenstunden. Wer zu spät kommt, für den heißt es das Zelt und die gesamte Campingausrüstung zu Fuß zum Platz zu tragen. Das Besondere an diesem Platz ist, dass er sich nicht ausschließlich auf Camper in Zelten beschränkt. Es wurden schöne und sehr gemütliche Holzhütten errichtet, die den Campern angeboten werden, die etwas mehr Komfort suchen. Zudem steht den Besuchern ein kleines Restaurant zur Verfügung, in dem man sich mit leckeren Speisen verwöhnen lassen kann.

Ein weiteres kleines Highlight des Ortes ist der „Bahia del Garanona“. Hierbei handelt es sich um einen einsamen und vor allem steilen Felsen, der ausschließlich bei Ebbe erreicht werden kann. Der Weg dorthin ist nicht unbedingt einfach. Denn es ist schon eine kleine Abenteuerreise, bei der man über den steinigen Untergrund und verschiedene Felsen steigen muss um ans Ziel zu kommen. Aber es lohnt sich allemal. Denn die romantische Kulisse der einsamen Bucht übt schon einen ganz besonderen Reiz aus. Ganz wichtig ist es, immer auf den Wasserstand zu achten und frühzeitig den Rückweg an das Ufer anzutreten. Wenn man den Zeitpunkt verpasst, dann fühlt man sich wie Robinson Crusoe. Man ist ein „Gefangener des Meeres“ - nur ohne Insel und auch nicht für mehrere Jahre, sondern für die nächsten sechs Stunden. 

Mesa del Mar, ein Ort, der dem Bauboom der früheren Jahre zum Opfer gefallen ist und sich trotzdem ein wenig von sich selbst bewahren konnte. Ein Ort mit einem schönen Strand und einem einladenden Meeresschwimmbecken. Ein Ort der mehr wert ist, als nur den Massenansturm im Sommer. Warum also nicht mal eine Ferienunterkunft in Mesa del Mar suchen?